„Frauen und Technik“ klappt besser, als man(n) glaubt

02. Mai 2017 Hintergrund

„Frauen und Technik“ – ein Thema, für das die Technik- und Handwerksbranche mit Nachdruck versucht, Begeisterung und Nachfrage zu entfachen. Denn Fachpersonal wird in Industrie und Handwerk händeringend gesucht. Gleichzeitig ist ein Ausruf, der nicht selten für Kopfschütteln und entnervtes Augenrollen sorgt: „Frauen und Technik! Na, ob das gut geht?“ Oder mittlerweile auch: „Mein Gott, dass das heutzutage immer noch ein Thema ist!“ Denn es ist längst klar, dass technische Kompetenzen nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Gerade deshalb stellt sich die Frage: Warum ist es immer noch eher die Ausnahme als die Regel, wenn Frauen in entsprechenden Berufsfeldern ihren Traumjob finden? Wir haben mit der Planerin Theresa Sträter gesprochen.

"Machen Sie erst mal etwas Soziales, was Frauen eben so machen …“

Diesen Ratschlag gab ein Berufsberater der damals frischgebackenen Realschulabsolventin Theresa Sträter – und lag damit genau daneben. Weder das Fachabitur in Richtung Sozial- und Gesundheitswesen noch die Höhere Handelsschule konnte Sträter damals zufriedenstellen. „Was Frauen eben so machen“ war nichts für die heute 31-jährige Projektingenieurin. Erst beim Umbau ihres Elternhauses entdeckte Sträter ihre wahre Berufung. Nachdem siegemeinsam mit dem Architekten das halbe Haus vermessen hatte, war klar: Sie wollte eine Ausbildung zur Bauzeichnerin im Statikbüro für Hochbau absolvieren. Wenige Jahre später folgte das Studium im Bereich Energie-Gebäude-Umwelt an der Fachhochschule Münster. „In meinem Jahrgang studierten genau vier Frauen“, erinnert sich Sträter, „vier Frauen bei anfangs 130 Studenten. Und nur eine davon hat wie ich den Bereich der Gebäudetechnik gewählt und arbeitet heute als Projektingenieurin.“ Den Grund für das geringe Interesse von Schulabgängerinnen an handwerklichen Berufen sieht Sträter in der frühkindlichen Erziehung. „Wenn das Thema Berufe im Kindergarten, in der Schule oder zuhause aufkommt, dann werden noch immer klassische Frauenberufe genannt. Kaum eine Mutter kommt auf die Idee, ihrer Tochter den Beruf der Versorgungsingenieurin vorzuschlagen – wahrscheinlich, weil sie selbst nicht genau weiß, welche Inhalte und Aufgaben mit diesem Beruf genau verknüpft sind.“

Dass eine unabhängig vom Geschlecht handelnde Denkweise noch nicht in der Gesellschaft angekommen ist, merkt die Projektingenieurin, mittlerweile Projektleiterin, auch im Berufsalltag. In E-Mails wird sie häufig mit „Herr Sträter“ angeschrieben. „Da muss ich immer grinsen und freue mich schon auf das erste Telefonat.“ Von den männlichen Kollegen erhält sie viel Zuspruch dafür, dass sie sich in der Männerdomäne behauptet. Andere lassen Sträter aber auch spüren, dass sie technische Belange lieber mit einem Mann anstelle einer Frau diskutieren würden. „Diese Männer sprechen mich dann nur ungern an, können mir teils nicht einmal in die Augen sehen“, berichtet Sträter. Doch mit unangenehmen Situationen ihres Geschlechtes wegen weiß sie umzugehen. „Da kann ich problemlos meine Frau stehen“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern, „ansonsten wäre ich in der Männerdomäne fehl am Platz.“

Nicht die Einstellung der Männer sei es nämlich, die sich laut Sträter ändern müsste, um die Branche attraktiver für Frauen zu gestalten. „Ich würde eher behaupten, dass sich bei der Einstellung der Frauen selbst etwas tun muss. Wer ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, logisches und technisches Verständnis besitzt, sollte einfach mal in die Branche hineinschnuppern. Dabei ist es aber wichtig, nicht auf den Mund gefallen zu sein!“ Ein gesundes Durchsetzungsvermögen ist für Sträter Voraussetzung in der Männerwelt. „Nur wenn wir Frauen selbstbewusst zeigen, was wir drauf haben, können wir eine Männerdomäne in ein Berufsfeld verwandeln, in dem Frauen und ihre Arbeit gleich akzeptiert werden.“

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